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Wie gründe ich eine .NET User Group?  

Der folgende Text wurde der INETA freundlicherweise von Roland Weigelt, Leiter der User Group Bonn, zu Verfügung gestellt.

Eine .NET User Group ist nicht zuletzt deshalb eine tolle Sache, weil man auf den regelmäßigen Gruppentreffen tatsächlich  mal "echte Menschen" trifft. Da diese Treffen üblicherweise an Wochentagen stattfinden, sollte die Gruppe allerdings einigermaßen in der Nähe gelegen sein, schließlich will man nach einem normalen Arbeitstag nicht auch noch Stunden auf der Autobahn verbringen. Nur: was ist, wenn sich partout nichts in der Umgebung finden lässt?

Nachdem ich einige Zeit lang erfolglos nach einer .NET User Group in der Nähe von Bonn Ausschau gehalten hatte, gründete ich im Januar 2006 eine eigene Gruppe mit dem Namen Bonn-to-Code.Net (die Ehre für das grandiose Wortspiel gebührt übrigens einzig und alleine meinem Kollegen Jens Schaller ;-). Ich habe den Entschluss nie bereut, denn die Gruppe läuft sehr erfolgreich und macht jede Menge Spaß. Natürlich muss man schon ein wenig Arbeit in die Organisation investieren, aber das wird durch viele neue interessante und nette Kontakte mehr als aufgewogen.

Aus den persönlichen Erfahrung heraus habe ich einmal diverse Tipps zusammengestellt, die die erfolgreiche Gründung einer User Group erleichtern können.

Empfehlung: Zuerst einen Veranstaltungsort suchen

Man kann sicherlich erst die Gruppe gründen und sich dann nach einem geeigneten Ort für die Treffen umsehen - evtl. in der Hoffnung, dass ein anderer Interessent einen Raum anbieten kann. Die Ausgangssituation für das Anwerben von Mitgliedern ist jedoch eine ganz andere, wenn dieses Thema von Anfang an geklärt ist.

Ich persönlich hatte das Glück, die hervorragend ausgerüsteten Konferenzräume meines Arbeitgebers nützen zu können, der davon allerdings auch zunächst einmal überzeugt werden wollte.

Mal probieren: Den Arbeitgeber überzeugen

Wer darüber nachdenkt, ebenfalls beim Arbeitgeber nachzufragen, sollte gut vorbereitet sein. Zunächst empfiehlt es sich, eine Liste mit Risiken und Chancen zu erstellen:

  • Was sind die Risiken?
    • Öffentliche Veranstaltungen in Firmenräumen stellen grundsätzlich ein potentielles Sicherheitsrisiko dar.
    • Externe Entwickler könnten von firmeninternem und evtl. sehr speziellem Know-How profitieren
    • Gute Mitarbeiter haben nach außen eine erhöhte Sichtbarkeit (z.B. durch Vorträge) und könnten evtl. abgeworben werden.
    • usw.
  • Was sind die Chancen für die Firma?
    • Die Fortbildung der eigenen Mitarbeiter wird gefördert, ohne dass die Firma dafür Zeit oder Geld bereit stellen müsste.
    • Frische Konzepte und Ideen können von außen in die Firma hinein getragen werden.
    • Die Firma erhält Gelegenheit zu demonstrieren, dass sie ein attraktiver Arbeitgeber ist. Dabei wird der Bekanntheitsgrad gerade bei den Entwicklern erhöht, die dadurch interessant sind, dass sie eine gewisse "Energie" haben und sich nach einem Arbeitstag auch noch Abends um ihre Fortbildung kümmern.
    • usw.

Darüber hinaus sollte man sich auf mögliche Fragen vorbereiten, und diese auch ruhig von sich aus vorwegnehmen:

  • Was sind die Kriterien, nach denen Mitarbeiter entscheiden können, über welche Themen sie auf einem Treffen sprechen können? Klar ist: wenn man etwas in fünf Minuten über Google findet, kann es kein Geschäftsgeheimnis sein - aber wo liegen evtl. Grenzfälle?
  • Wie wird sichergestellt, dass kein Besucher unbeaufsichtigt im Firmengebäude umherwandern kann? Im Zweifelsfall müssen Besucher bis zu den Toiletten begleitet werden (z.B. gängige Praxis bei Bonn-to-Code.Net, auch weil einige Flurtüren Abends abgeschlossen sind).
  • Wie wird sichergestellt, dass sich kein Besucher in's Netzwerk einklinkt?
  • usw.

Eine gute Vorbereitung vor einer Anfrage beim Arbeitgeber demonstriert auch, dass man verantwortungsvoll und im Interesse der Firma handelt.

Bloß nicht übertreiben: Die Website aufbauen - aber richtig!

Das ist ein Punkt, bei dem man vieles falsch machen kann. Deshalb einige wichtige Punkte:

  • Zunächst klein und einfach anfangen.
    Es bringt nichts davon zu träumen, was man mit Foren, Wikis etc. anfangen könnte. Damit so etwas auf Dauer funktioniert, ist eine gewisse "kritische Masse" notwendig, und die ist schon im Internet schwer zu erreichen, geschweige denn im Kontext einer lokalen User Group.
  • Im Endeffekt zählen die Inhalte.
    Vollkommen egal, ob man mit einem CMS oder einer einzelnen HTML-Seite anfängt: das Wichtigste ist, dass sich regelmäßig etwas auf der Website tut. Man kann z.B. in der Art eines Weblogs die Schritte bei der Gründung der User-Group beschreiben. Auch hier gilt wieder: beim Stichwort Weblog nicht zuerst an die Technik denken (Kommentare, Trackbacks, Pings), sondern an die Inhalte - und die kann man am Anfang auch einfach auf eine statische HTML-Seite schreiben.
  • Die menschliche Seite nicht vergessen
    Bei meiner Suche nach einer Gruppe fielen mir eine Reihe von User Group Websites auf, die einen recht anonymen Eindruck machten. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie sich auf das absolute Minimum beschränkten oder technisch aufwändig gemacht waren. Das Problem war, dass Sie nicht durch Wort und Bild das Gefühl vermittelten, dass dahinter eine Gruppe netter und interessanter Menschen steht. Insbesondere dann, wenn man als Besucher noch überlegt "ob so eine User Group überhaupt etwas für mich ist", sind es kleine Details die entscheiden, ob man sich den entscheidenen Ruck zur Kontaktaufnahme gibt. Und wenn man als Gründer am Anfang ganz alleine da steht: Warum nicht einfach auf die Website schreiben: "Hallo, ich bin X, interessiere mich für Y und Z und möchte eine User Group gründen". Ganz einfach, menschlich und sympathisch.
  • Nichts "verkaufen".
    Sicherlich gibt es Vorteile für die Mitglieder einer in der INETA organisierten User Group (z.B. Rabatte beim Kauf von Software und Büchern), aber das sollte nicht im Vordergrund stehen. Es geht ja nicht darum, Kunden zu suchen und zu überzeugen, es geht einfach nur darum dass sich ein Haufen von netten Leuten zusammenfindet und Spass hat.
  • Narrensichere Anfahrtsbeschreibung
    Jedes Bisschen Zeit, das darin investiert wird, kann im Zweifelsfall einen Besucher mehr oder weniger bedeuten ;-)
Alles ist erlaubt: Werbung machen

Für die Werbung sollte alles genutzt werden, was möglich ist. Manchmal reicht es schon, wenn mit einer Werbeaktion eine einzige Person angesprochen wird, weil die wiederum jemanden kennt, der jemanden kennt, usw. Also: Werbung im eigenen Weblog (soweit vorhanden), auf Community-Sites wie z.B.Codezone.de oder auch Netzwerken wie XING. Flyer, Poster, Aushänge - an der Uni, im Baumarkt, in Computerläden, alles ist erlaubt.

Jetzt wird es ernst: Das erste Treffen planen

Wie man an das erste Treffen herangeht, dafür gibt es sicherlich eine ganze Reihe Möglichkeiten. Zwei sehr unterschiedliche Ansätze, die ich persönlich erlebt habe (mit Bonn-to-Code.Net und in der Kölner Gruppe DNUG Köln) haben beide zum Erfolg geführt:

  • Die Teilnehmer stellen sich zunächst einmal vor.
    In Bonn bestand das erste Treffen alleine aus kurzen "Mini-Vorträgen" auf jeweils zwei bis drei PowerPoint-Folien, in denen jeder Teilnehmer sich und seine Interessen vorstellte. Dieser Ansatz skaliert natürlich nicht sonderlich gut (ab etwa 15 Personen wird es kritisch), aber rückblickend hat dies die Gruppe sehr schnell vorangebracht. Die Teilnehmer haben sich schnell kennengelernt und viele der ersten Teilnehmer gehören bis heute zum harten Kern. Dieses Treffen hatte keinerlei technischen Inhalte, es ging alleine um zukünftige Themen und einen Termin für das nächste Treffen.
  • Start mit einem "großen Knall"
    In Köln wurde für das erste Treffen ein relativ bekannter Sprecher für einen Vortrag gewonnen. Es blieb wenig Zeit für Organisatorisches, und nach dem Vortrag war der Sprecher sehr stark im Fokus des Interesses. Trotzdem läuft die Kölner Gruppe mittlerweile auch erfolgreich. Der Vorteil des "großen" Auftakts war dabei, dass dadurch Teilnehmer angelockt wurden, die nach eigenen Aussagen sonst nicht gekommen wären - viele davon sind heute noch regelmäßige Besucher.

Es wäre auch ein gemischter Ansatz denkbar, d.h. ein kurzer technischer Vortrag kombiniert mit einer kurzen mündlichen Vorstellungsrunde. Allerdings ist bei der Vorstellung die Kombination von Text, Bildern und Sprache weitaus effektiver, auch deshalb, weil sich die Leute zu Hause in Ruhe Gedanken machen können, wie sie sich präsentieren wollen.

Es kommt schneller als man denkt: Das zweite Treffen

Natürlich wäre es ideal, wenn sich bereits beim ersten Treffen herauskristallisiert, dass man einen ganzen Pool von potentiellen Vortragenden zur Verfügung hat. Da dies in der Praxis nicht unbedingt der Fall sein muss, sollte man für das zweite Treffen einen "Plan B" haben - im Notfall indem man als Gruppenleiter selbst einen Vortrag hält. Wichtig dabei: Auch wenn man eine ganze Reihe von Themen hat, über die man sehr gerne einen Vortrag halten würde, sollte es zunächst höchste Priorität haben, möglichst schnell andere in das Halten von Vorträgen einzubinden. Dies führt uns auch gleich zum nächsten Punkt.

Einstiegshürden senken: Schnell neue Sprecher gewinnen

Die Vorbereitung eines Vortrags ist harte Arbeit. Dies kombiniert mit einer gewissen Scheu, vor Publikum zu sprechen, sorgt dafür dass einige, die eigentlich dafür qualifiziert wären, keinen Vortrag halten. Eine User Group lebt aber davon, dass sich möglichst viele Personen einbringen. Es gibt diverse Möglichkeiten, potentiellen Sprechern entgegen zu kommen, in dem man einige der typischen Einstiegshürden senkt:

  • Angebot einer fertigen PowerPoint-Vorlage
    Nicht jeder ist ein Könner im Umgang mit PowerPoint. Eine bereits vorbereitete Vorlage hilft Nicht-Designern, sich auf die Inhalte zu konzentrieren und trotzdem attraktive und lesbare Vorträge zu gestalten. Gleichzeitig sorgt man für ein gewisses "Branding", wenn die Folien ein einheitliches Aussehen im Design der User Group haben. Selbstverständlich sollte die Verwendung der Vorlagen freiwillig sein.
  • Einführung des Konzepts eines "QuickTips"
    Nicht jeder Vortrag muss unbedingt ein stundenlanges Epos sein. Manchmal ist es vielleicht nur ein Hinweis auf einen Hotkey, eine kleines Tool oder eine Website, die dafür sorgt, dass die Teilnehmer eines Treffens mit dem guten Gefühl nach Hause fahren, dass sich der Besuch gelohnt hat. In der Bonner Gruppe besteht ein QuickTip nur aus wenigen Folien: Was ist das Problem, was ist die Lösung, vielleicht eine kurze Demo (die man z.T. aber auch mit Screenshots simulieren kann, was den Aufwand drastisch reduziert) - fertig.

Es gibt viel mehr talentierte Sprecher in den Reihen einer User Group, als man vermuten mag, man muss sie nur finden. Das Wichtigste ist, jemanden zu einem ersten Vortrag zu bewegen. Wenn der gut gelaufen ist, ist der nächste Vortrag ein viel geringeres Problem.

Also: Auf geht's!

User Groups machen Spass, bringen viele neue Kontakte und man lernt eine ganze Menge dabei. Und wenn in der näheren Umgebung keine zu finden ist, dann wird es höchste Zeit, durch Gründung einer eigenen Gruppe Abhilfe zu schaffen...

 
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